“Özdemir nennt Seehofer Rechtspopulisten”
Das lief vorhin über den n-tv-Ticker im Fernsehen.
Wir erleben die Schaffung einer neuen Denunziationsvokabel. “Rassist” kann man ihn nicht nennen, denn das ist er nachweisbar nicht. Der Vorwurf hat sich beinahe schon abgenutzt, so inflationär ist er zeitweise in Gebrauch gewesen. Es muss etwas Anderes her.
Was gibt es da Besseres, als “Rechtspopulisten” zu erfinden? Bei Wilders hat’s geklappt, bei anderen auch - sie sind im Bewusstsein des deutschen Michel ausschließlich verachtenswerte Politkriminelle, potenzielle Diktatoren, die alles und jeden ins KZ sperren.
Jedes Mal, wenn ein Prominenter sich in einer Weise äußert, die den Links-“liberalen” nicht passt, die Kritik an den Hätschelkindern der Linken darstellt, ist die Lieblingsvokabel der Meinungsdiktatoren entweder das Nomen “Rechtspopulist” oder das Adjektiv “rechtspopulistisch”. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Argumenten findet nicht statt. Parolen statt Argumente ist das Gebot der Stunde. Und in Deutschland reicht das. Immer noch. Weil die Medien mitziehen.
Nach Sarrazin hat sich das ein klein wenig geändert. Ein paar Medien haben die Meinung von Otto Normalverbraucher zur Kenntnis genommen. Eine ganze Reihe Politiker haben zwar Sarrazin in den Dreck getreten, sich aber im Nachhinein so gut wie genauso geäußert. Nichtsdestotrotz wird weiter gegen Kritiker denunzierend und ehrabschneidend vorgegangen - vor allem von Grünen und Linken. Während die Union nicht in der Lage ist sich klar zu positionieren, wissen diese Leute tausendprozentig, wie sie zu agieren und was der dumme Bürger gefälligst zu meinen hat. Und das verträgt sich nicht mit kritischem Denken oder abweichenden Meinungen. Die Schlussfolgerung:
Wenn einer “Rechtspopulist” genannt wird, dann sieh dir genau an, was der sagt und denkt - und glaube vor allem nichts von dem, was der Denunziant sagt. In der Regel hat der “Rechtspopulist” nichts anderes getan, als eine Meinung zu äußern, über die man durchaus nachdenken sollte. Selbst, wenn man zu dem Schluss kommt, dass man diese Meinung nicht teilt.
(crossposted auf indexexpurgatorius)
