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3 Anmerkungen

„Journalismus“ gegen ALDI

Der Blog Wortvogel hat sich im Juni einen zehnseitigen Artikel des SPIEGEL gegen den Discounter ALDI vorgenommen, zerpflückt und nachgewiesen, dass in diesem Fall kein Journalismus betrieben wurde, sondern einfach nur Hetze. (BTW: Der Autor des Blogs ist nach eigenen Angaben - an denen nicht zu zweifeln ist - SPIEGEL-Abonnent und liest das Werk seit 30 Jahren.) Es wird extrem mangelnde journalistische Qualität bemängelt.

Was der Schreiber ganz zu Anfang sagt: Es geht ihm NICHT darum ALDI zu verteidigen, sondern die Arbeit der beiden SPIEGEL-Autoren zu begutachten. Für mich läuft es letztlich eigentlich fast auf dasselbe hinaus, aber diesen Hinweis scheinen gewisse Leute, insbesondere die Autoren des Artikels und ihr Kronzeuge, bewusst zu ignorieren, um nicht darauf eingehen zu müssen und sich nicht in Frage stellen zu lassen. Gegen Kritik sind sie offenbar immun. Hier die insgesamt 4 Teile

- SPIEGEL vs. ALDI: Eine billige Polemik (1)
- SPIEGEL vs. ALDI: Eine billige Polemik (2)
- SPIEGEL vs. ALDI: Eine billige Polemik – Nachtrag: Sehr geehrte Frau Amann, sehr geehrter Herr Tietz…
- SPIEGEL vs. ALDI: Eine billige Polemik – Nachtrag 2: Sehr geehrter Herr Straub…

Was mich besonders fasziniert:

(1) Die Journalisten wie auch der Buchautor berufen sich implizit auf „viele“ Fernseh-Beiträge, die in letzter Zeit ALDI „entlarven“ sollen. Ich habe einige davon gesehen. Das Problem: Die sind auch nicht anders als dieser Artikel im SPIEGEL; für sie gilt zwangsläufig genau dieselbe Kritik. Und wenn 100.000 Fliegen Scheiße fressen, werde ich das trotzdem nicht tun.

(2) Ausgerechnet der Mitbewerber LIDL wird immer wieder gerne - wenn auch oft nur en passend - als Besser-Beispiel zu ALDI angeführt. Ausgerechnet! Das ist doch der Konzern, dem systematisches Ausspionieren und Mobben der Mitarbeiter nachgewiesen wurde; der Konzern, der PIN-Nummern von Kunden ausspionierte; der Konzern, der von einer Umweltschutz-Truppe erst schlechte Noten bei der Qualität von Frischwaren bekam und plötzlich mit an der Spitze stand, obwohl jeder - wirklich jeder! - in der Lieferantenkette sagte, es habe sich absolut nichts geändert - dafür verkaufte LIDL auf einmal das Magazin der Umweltschutz-Gruppe in Massen oder auch nicht (die übrig gebliebenen Magazine wurden nicht an die Gruppe zurückgegeben, sondern im Müll entsorgt und der Gruppe durch LIDL der Preis trotzdem überwiesen).

Mir stellen sich da bezüglich Punkt 2 Fragen:
- Wie kommt es, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (besonders der WDR und weitere ARD-Sender) zeitgleich so intensiv, aber ohne Strukturen nachzuweisen auf ALDI stürzen?
- Wie kommt es, dass dabei LIDL immer wieder als positives Gegenbeispiel genannt wird?

Bekommen die etwas von LIDL, das ALDI ihnen verweigert und deshalb wird ALDI jetzt niedergemacht?

Ich persönlich habe folgende Erfahrungen gemacht:
- Die Qualität bei ALDI stimmt fast immer.
- Die Qualität bei LIDL kommt da quantitativ nicht ran.
- Bei ALDI sehe ich - in den drei Filialen, die ich frequentiere - seit Jahren dieselben Gesichter, alles Stammpersonal.
- Bei LIDL sehe ich immer wieder Wechsel; nur eine Angestellte ist länger als 3 Jahre dort tätig, aber die arbeitet nur stundenweise. (Das soll nicht heißen, dass es überall so ist, aber das ist meine Erfahrung hier vor Ort.)

Wenn ich meine eigenen Erfahrungen mit diesen beiden Discountern zugrunde lege, dann beziehe ich klar Stellung: ALDI ja, LIDL nur, wenn’s nicht anders geht. Und wie zur Zeit auf ALDI geschossen wird, kann ich nicht begreifen - außer ich lege eine Kampagne zugrunde, die etwas erreichen soll, was entweder aus Böswilligkeit oder aus monetärem Antrieb geschieht.

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