heplev

6 Anmerkungen

Zwangs-Abzocke schließt Abzock-Lücke

Seit ein paar Tagen ist es amtlich: Die GEZ braucht keine „Werber“ mehr zu schicken, denen die Bürger den Eintritt in die Wohnung verweigern konnten. Jetzt muss jeder Haushalt den Müll bezahlen, der ihm von den öffentlich-rechtlichen Kraken geschickt wird, ob er ihn nun „nutzt“ oder nicht. Der „mündige“ Bürger kann sich nicht mehr dadurch wehren, dass er keinen Fernseher und/oder Radio hat und auch noch den Computer abschafft. Tut er dies alles, muss er dennoch die Zwangsabgabe für ARD (-Mitglieder) und ZDF zahlen. Die Lücke ist zu, jeder wird zur Kasse gebeten, unabhängig davon, ob er nutzt oder nicht.

Ein (weibliches) Mitglied der NRW-Landesregierung hatte dieser Tage die Frechheit, diese Abzocke mit Kinderspielplätzen zu vergleichen, die ja auch von der Allgemeinheit bezahlt würden, zu der ja auch die gehören, die gar keine Kinder haben.

Wenn das so ist, warum zahlt der Staat dann die öffentlich-rechtlichen Sender nicht aus Steuergeldern, wie es mit Kinderspielplätzen gemacht wird???????

Mal abgesehen davon, dass dieser Vergleich derart hanebüchen ist, dass ich die Dame am liebsten wegen Ignoranz und Arroganz übers Knie gelegt hätte. Wie viele Kinderspielplätze gibt es? Und werden immer weiter neue gebaut, wo anderes es auch tun würde? Oder wird hier nicht gerade mal der Grundbedarf abgedeckt? Wie viele Kinderspielplätze gibt es, die schon von Privatfirmen erhalten werden? (Bei uns am Ort werden sehr viele Grünflächen von Privatfirmen gepflegt, die dafür ein Schild aufstellen dürfen, mit dem sie für sich werben.)

Beispiel WDR: Nordrhein-Westfalen ist meines Wissens das einzige Bundesland, das keinen landesweiten privaten Radiosender kennt. Stattdessen breitete der WDR sich nach der Freigabe für privaten Rundfunk krakenartig aus und belegte – mit Hilfe und Unterstützung der SPD-Landesregierung – eine Frequenz nach der anderen, um so seine monopolistische Hoheit im Äther des Landes zu bewahren. Den drei vorhandenen WDR-Sendern gesellte sich erst ein vierter, später noch ein fünfter hinzu (wobei Fritz Pleitgen damals den Zuhörern weismachen wollte, fünf Sender seien billiger als vier Sender!). Ein Regionalbüro nach dem anderen machte auf, so dass das Land heute mit WDR-Standorten zugepflastert ist, dass die Kollegen/innen sich von einem zum anderen zuwinken können. Immer wieder wurde irgendwo noch eine „Büro“ eröffnet, weil der WDR angeblich über die „Region“ (ein paar Quadratkilometerchen) nicht ausreichend genug berichten konnte. So konnte Bonn einfach nicht von Köln mit abgedeckt werden, da musste sich was ändern. Denn der WDR muss das tun, dazu ist er verpflichtet und es tut sonst niemand, also das versteht sich doch von selbst. Schließlich steht man in Konkurrenz (hä? – ach so, zu Lokalradios?) und muss unbedingt über den Schluckauf von Herrn Schmitz aus Reichshof-Eckenhagen berichten, weil das Lokalradio sonst das Monopol auf diese Meldung hat.

Der Große Bruder WDR hat überall zu sein und alles zu tun. So sieht sie nun mal aus, die Vollversorgungsansicht der deutschen veröffentlichten Meinung. Alternativen darf es nur geben, wenn sie untergebuttert werden können und dem Staatsfunk nicht in die Quere kommen oder auf dem Magen liegen. Schon gar nicht darf privater Rundfunk (in Form von Radio, Fernsehen und Internet) den Rang ablaufen können. Notfalls mit Mitteln wie der Zwangsgebührenerhebung für Leistungen, die man nicht abruft. Für Leistungen, die nicht benötigt werden, weil sei anders genutzt und von anderen angeboten werden könnten.

Aber es gibt ja den „Informationsauftrag“, dem die Sender gerecht werden müssen, nicht wahr? Warum aber muss es öffentlich-rechtlich sein? Warum muss eine Zwangsversorgung erfolgen? Das kann nur (negativ) ideologisch bedingt sein: Der Staat hat zu regeln und vorzugeben, der Staat weiß es besser). Und da ist der deutsche Michel denn doch immer noch der Untertan – entweder freiwillig und gerne oder er wird dazu gezwungen. Die Mündigkeit des Bürgers wäre ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk überfordert, denn der ist ein Erziehungsmittel, eine Bildungsanstalt, die ihm eintrichtert, was er zu denken hat. Und wenn ihm das nicht recht ist, dann muss er halt wenigstens gezwungen werden dafür zu zahlen, damit er weiß, vor wem er zu kuschen hat.

Abgelegt unter Deutschland Zwangsbeglückung Medien Medieneinseitigkeit

  1. dedie-fischer hat diesen Eintrag von heplev gerebloggt
  2. von heplev gepostet